Irre verliebt

 

Fragen wir uns nicht täglich wie es möglich ist Menschen, unserer Arbeit und unseren Aufgaben mit Freude und Liebe zu begegnen? Wie wir freudvolle Beziehungen gestalten und mit Liebe und Motivation arbeiten können? Wie wir gefühlten Stress, Druck und Zwang meistern können?

Heute haben wir eine Vielzahl von Begegnungen, Kontakte, Aufgaben und Situationen an einem Tag zu bewältigen. Wir sehen uns vielerlei Kanälen der Kommunikation gegenüber: Begegnungen im Job und Privat, Austausch über die Medien wie Facebook, Whatsapp, Mail oder Telefon. All das sind aktive Beziehungsinteraktionen.

Beziehung? Moment mal! Sind all unsere Kontakte Beziehungen? Im privatem Bereich magst Du mir da vielleicht Recht geben, aber auf der beruflichen Ebene? Jede Mail eine Beziehungsinteraktion?

Häufig trennen wir die Bedeutung von privaten Kontakten und beruflichen ganz klar. Uns wird in vielen Ratgebern sogar dazu geraten: Erzeugen Sie eine Work-Life Balance, endlich raus aus der beruflichen Stress-Spirale und rein ins Privatleben, die 5 Stunden Woche mit dem Ansinnen nur noch 5 Stunden pro Woche beruflich tätig zu werden, usw. usw.

Nicht nur die Kontakte unterteilen wir in diese Kategorien privat/ beruflich sondern auch unsere Aufgaben werden so differenziert. Wir versuchen unsere beruflichen Tätigkeiten zu bewältigen, um endlich in unsere privaten Vergnügungsaufgaben eintauchen zu können. Wir bringen berufliche Kontakte, Termine und Aufgaben hinter uns, weil es eben unser Job ist. Es ist eine Verpflichtung und eine Verbindlichkeit durch die wir unseren Lebensunterhalt verdienen. Wir nehmen die Rolle des Arbeiters ein oder des Chefs oder der Angestellten. Wir nehmen diese Rollen ein wie wir uns vielleicht Arbeitskleidung anziehen, wenn wir ‚on the job’ sind. Nach Feierabend streifen wir diese Rolle ab wie unsere Berufsbekleidung und schlüpfen in unseren Freizeitdress.

Hat Du auch ein geistiges Businessoutfit und einen Freizeitdress? Drückt Dich Dein Businessoutfit manchmal wie eine schlecht sitzende Krawatte oder ein zu enger Rock? Wir agieren in diesen Rollen, weil wir meinen, dass die Zeit auf der Arbeit und in unserer Freizeit zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Warum denken wir das? Warum haben wir auf der Arbeit nicht genauso viel Spaß wie in unserer Freizeit? Wir erkennen hier unsere Freiwilligkeit nicht mehr. Durch Arbeitsstundenvorgaben und Termindruck entwickeln wir das Gefühl des Hamsterrades. Und schnell stellt sich das Gefühl ein: Was mache ich eigentlich hier? Wann ist endlich Feierabend? Wir arbeiten unser Arbeitspensum ab, um dann endlich genießen zu können. Vielleicht entwickeln wir auch Visionen von einer freieren Arbeitszukunft, in der wir unser Hobby zum Beruf machen können. Dann endlich meinen wir das Ziel erreicht zu haben endlich frei zu sein und wir machen können was wir wollen. Ist dieses Ziel erreicht merken wir schnell, dass das auch eine Illusion ist: es gibt auch hier genauso Druck durch Forderungen und Verpflichtungen. Wir sehnen uns nach mehr Selbstbestimmung.

In meiner jahrelangen Beratungen und Coachings mit tausenden von Menschen gibt es ein Resümee: Das Gefühl der Zufriedenheit und das Glücksempfinden steht im direktem Zusammenhang mit dem Gefühl der Selbstbestimmung. Deshalb all diese Sehnsüchte und Tendenzen des geistigen Ausstiegs.

Doch wie können wir unser Gefühl der Selbstbestimmung steuern? Und was hat das alles mit Beziehung zu tun?

Wir nehmen unseren Einflussbereich sehr unterschiedlich wahr und schätzen unsere Möglichkeiten unseres eigenen Handlungsspielraumes häufig gering ein.

Und dort gibt es einen Zusammenhang zwischen Beziehung und Arbeit. Zu Beginn einer Beziehung verlieben wir uns, wir erkennen tolle Eigenschaften unseres Partners und fühlen uns angezogen. Unser Herz entscheidet sich für einen Menschen, ganz selbstbestimmt gehen wir diese Beziehung ein. Wenn die Beziehung andauert, haben wir vielleicht manchmal das Gefühl, dass wir nicht ganz freiwillig dieser Beziehung nachgehen, Macken unseres Partners nerven uns und manchmal erscheint das Singleleben allzu verlockend. Wir sehnen uns das Gefühl des frischen Verliebtseins herbei. Zu dem Punkt zurück an dem wir ganz selbstbestimmt Ja gesagt haben.

An welchen Punkten haben wir ja gesagt? Und wozu? Erinnerst Du Dich noch daran, was Dich dazu bewogen hat selbstbestimmt Ja zu sagen? Erinnerst Du Dich an die Herzenswärme?

Im Yoga sprechen wir von Bhakti, was Hingabe heißt. Hingebungsvoll widmen wir uns der neuen Geliebten/ dem neuen Geliebten. Jeder Moment ist erfüllt mit Gedanken an sie oder ihn. Unsere Aufmerksamkeit und Intention ist ausgerichtet. Wir überwinden Hindernisse, Müdigkeit und Schwierigkeiten nur um mit ihr oder ihm zusammen zu sein. Unbändige Kräfte und Freude erfüllen uns. Ist es möglich dieses Gefühl auf unseren Alltag zu übertragen? Mit dieser Hingabe unsere Aufgaben, bestehende Beziehungen und Stresssituationen zu meistern?

Bhakti ist der Yogaphiloshopie nach der einfachste Weg zur Selbstverwirklichung. Wir begegnen Gott in einer bestimmten Einstellung, einem bestimmten Gefühl oder Zustand, was im Yoga Bhava genannt wird und entwickeln über Gottesliebe Zufriedenheit. Wir nehmen alles als Gott und als Liebe wahr. Im Yoga sprechen wir von verschiedenen Formen der Hingabe. Der höchste Zustand dessen wird Madhurya Bhava genannt. Liebender und Geliebter werden durch diese Intensität der Liebe eins.

Doch was hat dies alles mit Stress zu tun? Oder meinen ungeliebten Aufgaben und Begegnungen? Wir kategorisieren jeden Kontakt, jede Begegnung in beruflich, privat, angenehm, unangenehm und nehmen die jeweilige Rolle ein. So bleiben wir außen vor. Wir kommen nicht richtig in Kontakt mit den Menschen, den Aufgaben oder der Situation. Im Bhakti Yoga üben wir Hingabe, indem wir jede Gelegenheit nutzen Hingabe aufzubauen. Wir üben, indem wir alles als unseren Geliebten betrachten.

Die Kunden als Geliebten zu betrachten? Oder den ätzenden Arbeitskollegen? Vielleicht magst Du mich jetzt als irre betrachten, aber genau das ist der gewünschte Zustand. Wenn wir verliebt sind scheinen wir manchmal etwas irr. Vielleicht magst Du Dich einmal auf dieses Gedankenspiel einlassen und nicht mehr unterteilen. Lege Deine Business-,Freizeit-, oder anderen Outfits ab, um Dich mit den Kleidern der Liebe zu schmücken. Erinnere Dich an das besondere Gefühl der frischen Liebe. Du wirst sehen, dass dies wirklich erzeugbar ist. Das verliebte Zuhören, Begegnen und sich Einlassen nimmt Stress und Anspannung und verleiht uns unbändige Kräfte.

Einen irre verliebten Tag wünscht Dir

Jessica Chandrika

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